Kornnatter: Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise

Die Kornnatter
Um die Ansprüche zu verstehen, die eine Art im Terrarium an ihren künstlichen Lebensraum stellt, ist es stets von Vorteil, sich ihre Lebensweise in freier Natur anzusehen. Ein Faktor, der die Kornnatter so geeignet für die Haltung in Menschenhand macht, ist ihre Anpassungsfähigkeit. Im Gegensatz zu vielen Spezialisten, die man nur in einem bestimmten Lebensraumtyp vorfindet, besiedelt diese Schlange vollständig unterschiedliche Biotope, von Sumpfgebieten und Quellen sowie dem Rand von Gewässern über sommerfeuchte und trockene Laubwälder oder felsiges Hügelland bis hin zu sandigen, trockenen Kiefernwäldern. Als Kulturfolgerin trifft man sie auch auf Feldern, Obstplantagen und an Wegrändern, in Lagerstätten, Scheunen und Stallungen, entlang von Straßen, an Müllhalden, unter Gerumpel und in verfallenen Gebäuden. Menschliche Siedlungen ziehen sie an, denn dort lockt ein reiches Nahrungsangebot, und oft sind hier außerdem geeignete Überwinterungsquartiere zu finden. Tagsüber verstecken sich die Tiere beispielsweise in Baumhöhlungen,unter der losen Rinde abgestorbener Bäume, in alten Nagerbauen, unter Steinen, in Falllaub, Kompost- oder Heuhaufen, Felsspalten, löchrigen Fundamenten, zwischen Balken alter Scheunen usw. Ihr Verbreitungsgebiet ist der Südosten der Vereinigten Staaten inklusive reliktartiger Populationen in New Jersey, Delaware, im Süden Pennsylvanias und Marylands, dem Nordosten von West Virginia sowie in Virginia. Häufig trifft man sie in South Carolina, Georgia und Florida. Teilbereiche von Texas, Kentucky, Arkansas, Tennessee, Alabama, Mississippi und Louisiana zählen ebenfalls zum Verbreitungsgebiet, ebenso wie einige Inseln vor der Atlantikküste und an der Golfküste im Norden Floridas.

Sieht man sich dieses riesige Areal an, so wird klar, dass die einzelnen Populationen mit verschiedensten Klimata zurechtkommen müssen. Von subtropischen Regionen Floridas bis zum gemäßigten und winterkalten Klima in New Jersey oder Delaware am nördlichen Rand des Vorkommens reicht die Spannweite. Im Großteil des Verbreitungsgebietes ist die Kornnatter von April bis November aktiv, im Süden teilweise auch ganzjährig, während sie im Norden die ausgedehnte Winterruhe einlegt und die kalte Jahreszeit geschützt in einem unterirdischen Versteck verbringt, etwa in Nagerbauen, Höhlungen, Felsspalten etc. Während ihrer Aktivitätszeit ist die Kornnatter meist nachts oder in der Dämmerung auf Nahrungs oder Partnersuche, aber auch in der ersten Morgensonne oder am Nachmittag kann man ihr begegnen – generell nimmt mit kühlerem Wetter der Anteil der Tagesaktivität zu.

Mit ruhigen Bewegungen schlängelt Pantherophis guttatus durch das Gelände, schwimmt auch gut und scheut sich nicht, Büsche, Bäume oder verlassene Schuppen geschickt zu erklettern, um dort nach Nahrung zu suchen. Diese setzt sich vor allem aus allerlei Nagern (rund 45 Volumenprozent), Spitzmäusen, Vögeln und deren Eiern sowie in Höhlen auch aus Fledermäusen zusammen, aber auch Echsen, Frösche und Insekten zählen besonders bei Jungtieren zum Nahrungsspektrum. Selbst Schlangen – sogar der eigenen Art – werden verzehrt, wenn auch extrem selten. Fühlt sich die Natter bedroht, bleibt sie meist zunächst unbeweglich liegen. Entdecken ein Beutegreifer oder der Mensch sie aber trotz ihrer im Gelände hervorragend funktionierenden Tarnfärbung, und kann die Kornnatter nicht entkommen, so stellt sie sie sich wehrhaft dem Gegner: Die Schlange zischt, richtet den mehrfach S-förmig geschlungenen Vorderkörper auf und vibriert mit dem Schwanzende, was besonders in trockenem Laub ein Geräusch verursacht, das dem von der Rassel der Klapperschlangen hervorgerufenen Drohlaut stark ähnelt. In ärgster Bedrängnis beißt die Natter auch blitzschnell scheinbar oder wirklich zu oder entleert ihre in der Schwanzwurzel liegenden Analdrüsen. Glücklicherweise zeigt sie dieses Verhalten in Menschenhand so gut wie nie, denn dieser Duft ist ganz erbärmlich und erinnert den Betroffenen auch nach gründlichstem Waschen noch lange an die Begegnung.

In der Natur hat die Kornnatter u. a. verschiedene Schlangen, Echsen, Füchse, Katzen, Skunks, Opossums und diverse Vogelarten zu fürchten. Etwa von März bis Anfang Juni, vor allem aber im Mai, wenn die Kornnattern aus ihren Überwinterungsquatieren gekommen sind, paaren sie sich (in Florida auch im Winter), und etwa von Ende Juni bis Juli, in Florida auch schon im Mai, legt das Weibchen dann seine Eier ab, deren Zahl von rund 3-20 reicht, aber auch darüber steigen kann. Als Nistplatz sucht sich das Tier meist einen Nagerbau oder einen Haufen verrottenden Materials aus – ein weiterer Grund dafür, warum Kornnattern häufig die Nähe des Menschen suchen, denn hier gibt es beispielsweise Kompost oder alte Aufschüttungen von Stroh, die sich hervorragend als Brutsubstrat eignen. Von Ende Juli bis Anfang September schlüpfen aus den länglichen, rund 36×20 mm langen und rund 7 g schweren Eiern die Jungtiere die etwa 15-38 cm, meist aber um 25 cm messen und ca. 7 g wiegen.

4 Kommentare bisher »

  1. MisterBlogger - Das Haustier-Blog » Häutung der Schlange / Kornnatter sagt

    am 9. August 2008 @ 10:36

    [...] im Versteck, kann etwas reizbar reagieren, wenn es sich bedroht fühlt, und manche Nattern nehmen dann auch keine Beute an. Einige wenige Tage vor der Häutung wird die erwähnte [...]

  2. MisterBlogger - Das Haustier-Blog » Das Terrarium für die Kornnatter sagt

    am 10. August 2008 @ 22:55

    [...] über die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien, das für ein Pärchen Kornnattern vorschlägt, als Terrarienmaße mindestens 1,0 x 0,5 x 1,0-mal (Länge x Tiefe x [...]

  3. Curt Niklas sagt

    am 7. April 2009 @ 15:42

    Interessante Schlange, wusste garnicht das Schlangen nach dem Stinktier Effekt handeln *g*

  4. Anja sagt

    am 24. Juli 2009 @ 11:01

    Hallo Misterblogger, auf einer Recherche über Kornnattern bin ich auf eure Seite gestoßen und wollte meinen Respekt über die schönen Fotos aussprechen!

    Als begeisterte Hobbyfotografin fallen einem die schönen Bilder schnell ins Auge. Meine neuste errungenschaft ist eine Canon EOS 450D, mit der ich hoffentlich ähnlich schöne Bilder erstellen werde – auch wenn ich mich eher auf Großtiere spezialisiert habe :)

    Beste Grüße
    Anja

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