Haustiere als Scheidungswaisen

Geht eine Ehe in die Brüche, entsteht zwischen den Parteien nicht selten ein ähnlich erbitterter Kampf um Hund oder Katze wie um ein Kind. Rechtlich gesehen gibt es jedoch für Haustiere weder ein Sorge- noch ein Umgangsrecht.

Ein Haustier, das während der Ehe angeschafft wird, zählt oft als vollwertiges Familienmitglied. Kein Wunder also, dass bei einer Trennung jeder der beiden Partner das Tier für sich beansprucht und auch die Kinder nicht darauf verzichten möchten. Für manche Ehepartner sind Haustiere sogar Kinder-Ersatz, nämlich dann, wenn es mit dem eigenen Kinderwunsch nicht klappen will. Das Ende der Beziehung bedeutet für einen von beiden die schmerzhafte Trennung von Hund oder Katze und auch die Tiere leiden sehr wohl unter einer Trennung. Was also tun? Die Gerichte unterscheiden ganz klar zwischen Kindern und Tieren, sodass im Ernstfall, wenn die Partner sich nicht einigen können, ein Tier als Sache behandelt und ebenso wie andere Sachgüter einem der beiden Partner zugeteilt wird.

Sorgerecht für Tiere – das gibt es nicht

Das Gesetz sieht weder ein Sorgerecht noch ein Recht auf regelmäßigen Umgang mit dem Haustier im Falle einer Ehescheidung vor. Ein Urteil des OLG Bamberg im Jahre 2003 stellt ganz klar heraus, dass die gesetzlichen Vorgaben, die für Kinder gelten, nicht einfach für Haustiere zur Anwendung kommen dürfen. Können die Ehepartner sich nicht einigen, wer Bello oder Minka nach der Trennung zu sich nimmt, wird das Tier im gerichtlichen Verfahren Gegenstand des ehelichen Hausrats und wird ebenso einem der Partner zugeteilt wie andere, während der Ehe angeschaffte Dinge. Laut Gesetzgebung sind auf Tiere jene Vorschriften anzuwenden, die auch für Sachen gelten. Die Gerichte wägen jedoch sehr wohl zugunsten des Haustiers ab, das ja ein lebendiges Wesen mit Gefühlen ist. So wird es nicht unbedingt demjenigen zugewiesen, der offizieller Halter ist, sprich das Tier in der Ehe angeschafft hat, sondern demjenigen, der sich während der Ehe mehr um das Wohlergehen des Tieres gekümmert hat.

Einigung zum Wohle des Tieres

Eine Scheidung sollte möglichst nicht auf dem Rücken der Tiere ausgetragen werden. Beide Partner sollten von sich aus zu einer einvernehmlichen Regelung finden. Dabei sollte immer das Wohl des Tieres im Vordergrund stehen. Auch wenn es schwerfällt, ein selbst gewähltes Umgangsrecht, bei dem das Tier regelmäßig besucht werden kann oder auch einmal eine Weile bei dem anderen Partner lebt, ist selten eine gute Lösung. Tiere haben meist eine feste Bezugsperson. Ein sogenannter Umgang mit dem anderen Partner verwirrt die Tiere mehr als ihnen gut tut. Hund oder Katze werden eine Weile trauern, letztendlich ist ein endgültiger Schlussstrich in den meisten Fällen jedoch besser für ihr Seelenheil.

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