Gruselkabinett im Wohnzimmer

Stirbt ein geliebtes Haustier, wird es im eigenen Garten oder auf dem örtlichen Tierfriedhof begraben – normalerweise. Immer mehr deutsche Tierbesitzer lassen ihr totes Tier ausstopfen und stellen es im Wohnzimmer zur Schau. Als Grund führen sie an, sie wollten das Tier auch nach dem Tod immer bei sich haben. Für viele klingt das sehr makaber. Außerdem stellt sich die Frage, wo da die Trauerarbeit bleibt.

Hund, Katze oder Vogel als Kunstobjekt – teure Feinarbeit

Wer sein Haustier ausstopfen lassen möchte, muss für einen Vogel 100 Euro einkalkulieren, Katze und Hund kosten 450 bzw. 550 Euro. Der Preis ist durchaus berechtigt, wenn man bedenkt, welche Arbeit das Präparieren macht. Von dem Tier selbst bleibt am Ende nicht viel übrig, denn außer den Knochen und dem Fell wird alles andere durch künstliche Materialien ersetzt. Das Tier wird anhand von Fotos, die die Besitzer dem Präparator einreichen, lebensecht nachmodelliert. Die Haut des Tieres wird abgezogen und vom Gerber weiter bearbeitet. Der Tierpräparator entfernt die Organe und übergibt diese an den Besitzer des Tieres, falls dieser wenigstens einen Teil des Tieres beerdigen möchte. Die Knochen werden komplett von Fleisch und Fett befreit, dann gründlich gereinigt. Eventuell vorhandene Krebsgeschwüre werden vorsichtig entfernt.

Damit der Körper in der Originalgröße nachgebaut werden kann, werden vor dem Präparieren die Maße genommen. Außer den Knochen befinden sich im Inneren des Tieres Holzwolle und Schaumstoff als Füllmaterialein, mit Ton und künstlichen Augen wird der Kopf des Tieres originalgetreu nachgebaut. Besonders viel Fingerspitzengefühl ist beim Nacharbeiten der Gesichtzüge gefragt. Ohren, Augenlider, Lefzen, Nase und Lippen werden ausgeformt, den letzten Schliff erhalten sie durch den Anstrich mit Acrylfarbe im passenden Farbton. Bei Vögeln müssen alle Federn nach dem Modellieren wieder einzeln angebracht werden. Das Präparieren eines Tieres dauert etwa zwei Wochen.

Das geht gar nicht – das Tier als Witzfigur

Die meisten Tierbesitzer bevorzugen für ihr Tier eine sitzende Haltung. Es kommt jedoch auch vor, dass die Wünsche der Besitzer sehr extravagant sind. Den Hund als Bettvorleger herrichten zu lassen, ist da noch eine harmlose Variante. Ein seriöser Tierpräparator wird allzu ausgefallene Wünsche der Tierhalter sicher nicht ausführen, schließlich soll das Tier nicht zur Witzfigur mutieren. Ein respektvoller Umgang im Tod, auch wenn es sich „nur“ um ein Haustier handelt, sollte Grundvoraussetzung sein.

Kein richtiger Abschied vom Tier möglich

Wer jedes seiner verstorbenen Haustiere im Wohnzimmer ausstellt, besitzt bald ein regelrechtes Gruselkabinett. Das stößt nicht überall auf Gegenliebe. Während Tierschützer den Wunsch der Tierbesitzer noch am ehesten respektieren können, sehen Psychologen die „Sammlung der Kuscheltiere“ recht kritisch. Schließlich könne sich der Besitzer niemals ganz von dem Tier verabschieden, da er es immer vor Augen hat. Der Trauerprozess dauert wesentlich länger oder wird vielleicht nie ganz abgeschlossen.

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