Chronische Erkrankungen und Haustiere – vereinbar oder nicht?

Der wissenschaftliche Beirat der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hat schlechte Nachrichten für alle angehenden Haustierbesitzer, die unter einer chronischen Erkrankung oder unter einer Abwehrschwächen leiden. Alle, die chronisch an Nieren, Leber oder Lunge erkrankt sind, sollten nach Auffassung der Wissenschaftler von der Anschaffung eines Haustiers absehen. Der Grund: Im Speichel sowie im Kot von Katzen, Hunden, anderen Haustieren und auch Wildtieren befindet sich das Bakterium Pasteurella multocida. Dieses Bakterium wird auf vielfachem Wege auf den Menschen übertragen: durch Kontakt mit dem Speichel, etwa beim Lecken oder Beißen, durch Kratzwunden oder durch direkten Kontakt mit dem Tierkot, zum Beispiel bei der Reinigung der Katzentoilette. Außerdem findet der Erreger seinen Weg in den menschlichen Körper, wenn die Ausdünstungen des Tierkots eingeatmet werden.

Für gesunde Menschen alles kein Problem. Menschen mit Autoimmunerkrankungen und chronisch Kranke jedoch können nach einer Infektion mit dem Bakterium schwer erkranken. Sehr häufig sind Blutvergiftungen, die in manchen Fällen sogar den Tod zur Folge haben, wenn keine rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika erfolgt. Keine guten Aussichten also für alle Risiko-Kandidaten, die sich sehnlichst ein Haustier wünschen. Anders als bei einer Tierhaarallergie kann nicht einfach auf eine andere Tierart ausgewichen werden, weil Pasteurella multocida unter den Tieren so stark verbreitet ist und sich nicht auf eine einzige Art beschränkt. In dem Fall bleibt wohl wirklich nur eine Wahl, so schwer es auch fällt. Es muss auf die Anschaffung eines Haustiers verzichtet werden, wenn ein Mitglied der Familie unter einer chronischen Erkrankung leidet.

Leben mit einem Haustier trotz chronischem Leiden

Die Entscheidung gegen ein Haustier mag leichtfallen, solange die Anschaffung noch im Raum steht. Doch was ist, wenn das Haustier schon viele Jahre im Haushalt lebt und sich dann erst herausstellt, dass der Tierbesitzer oder ein anderes Mitglied im Haushalt an einer chronischen Erkrankung leidet oder die Autoimmunschwäche erst später auftritt? Das Tier dann leichten Herzens abgeben kann wohl kaum jemand. Auch stellt sich die Frage, ob das zwingend notwendig ist. Zwar ist die Erklärung der Wissenschaftler nicht von der Hand zu weisen, wer jedoch um die Risiken weiß, wird bei dem möglichen Kontakt mit dem Erreger genauer auf etwaige Reaktionen achten und schneller einen Arzt aufsuchen, damit die Infektion frühzeitig behandelt werden kann.

Hygiene ist oberstes Gebot

Um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, sollten Hund oder Katze nicht mit im Bett schlafen, Tierbesitzer sollten sich nicht ablecken und auch nicht in wilde Spiele mit dem Tier verwickeln lassen. So wird die Gefahr einer Infektion durch Bisswunden oder Kratzer minimiert, der Kontakt mit dem Speichel des Tieres ebenfalls reduziert. Bei der Reinigung der Katzentoilette werden am besten Handschuhe und ein Mundschutz getragen, um auch hier eine Infektion auszuschließen. Wenn möglich, sollte die Reinigung der Toilette jemand anders übernehmen. Ebenfalls wichtig für Risikopatienten, auch diejenigen ohne Haustiere: Bei der Gartenarbeit sollten immer Handschuhe getragen werden, da auch Wildtiere und fremde Hunde und Katzen aus der Nachbarschaft das Bakterium einschleppen können und die Infektion dann über den Weg Gartenerde erfolgt.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*